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Ein Deutschland-Reisebericht 2003 von Uwe Balser / Steinbach

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Deutschlandtour Teil 1
- gefahren in 2003

Deutschland ist schön?

So jedenfalls steht es in vielen Reiseführern geschrieben. Meine Frau Petra und ich arbeiten in der gleichen Firma und dort lagern viele Reiseführer, auch von sehr bekannten Verlagen. Da es immer wieder Reiseführerexemplare gibt, die wegen Beschädigung vernichtet werden, fällt auch hin und wieder etwas für uns ab. Und damit kann man sich schon ganz schön viel Reiselust und Fernweh holen. ;-)
Gerade die Reiseführer, die Gebiete in Deutschland beschreiben, heben wir gerne auf und schmökern darin. Dabei kam uns irgendwann einmal die Idee, das alles zu besuchen und zu schauen, ob das auch stimmt mit dem schönen Deutschland. Und ich kann jetzt schon sagen, es stimmt. Warum immer ins Ausland fahren, wenn es doch hierzulande auch sehr schöne Gegenden hat.
Und so reifte der Plan einer Deutschlandumfahrung, immer an den Grenzen entlang, um unser Land einmal so richtig kennenzulernen. Die mitteldeutschen Gegenden kennen wir zum grössten Teil schon von unseren Touren, also warum nicht auch einmal komplett aussen herum, denn da kommt man in Ecken, die man sonst vermutlich nicht anfahren würde.
Gesagt und geplant. Aus Kostengründen sollten die Übernachtungen im Zelt stattfinden, dazu wurde noch einiges an Ausrüstung angeschafft. Das hat zwar auch erst einmal Geld gekostet, kann aber immer wieder benutzt werden.
Ausgelegt war die Tour für 3 Wochen und im Nachhinein kann ich sagen, dass das viel zu kurz ist, wenn man nicht nur über Bundesstrassen düsen und was sehen will.

 
Gut bepackt
Das sieht nicht nur schwer aus..... ;-)
Also haben wir im Frühjahr 2003 unseren Urlaub eingereicht, Anfang August sollte es losgehen. Der Sommer 2003 war ein sehr heisser Sommer. Das ist zwar nicht so toll beim Motorradfahren, aber zum Campen klasse. Naja, man kann nicht alles haben. ;-)
Anfang Juli kam dann noch die Anschaffung eines anderen Motorrades für Petra. Bis dahin ist sie Honda CB500 gefahren, aber nach einem Reifenwechsel im Sommer 2002 war sie mit dem Motorrad nicht mehr "auf Du und Du". Ausserdem wollte sie was Flotteres haben, also sind wir losgezogen und haben uns umgeschaut. Nach einigem Hin und Her wurde es eine Bandit 1200. Nach kurzer Eingewöhnung ist sie gut damit zurechtgekommen.
Im Juni war dann auch das Quick Lock Gepäcksystem für meine GSX1100G fertig, welches ich für ein Forum bei MO-Tech hatte entwickeln lassen, also waren damit auch die Voraussetzungen für den Transport von Gepäck und Zubehör für 3 Wochen Urlaub gegeben. Und da kam einiges zusammen. Auf dem Bild kann man sehen, wie sehr die Kiste bepackt war, ich kam mir auch vor wie ein LKW-Fahrer. ;-)
Das Packen hat auch eine Weile gedauert. Damals waren wir halt auch noch nicht so erfahren und haben jede Menge Zeug mitgenommen, was wir gar nicht gebraucht haben. Und ausserdem war da noch das Problem, einer Frau klarzumachen, dass ein 40 Liter Koffer für Klamotten für 3 Wochen reichen muss. ;-)
Ende Juli dann noch Check der Fahrzeuge, Reifen an der G erneuern, Ölwechsel stand auch an, wurde gleich mit erledigt. Die Motorräder haben prima durchgehalten, bis auf eine defekte Tachowelle an der Bandit auf dem Rückweg gabs nix zu bemängeln.
Nur an der Ausrüstung gab es ein paar Ausfälle. Die Iso-Matte meiner Frau gab schon nach der zweiten Nacht den Geist auf und ihr Tankrucksack ist auf einem kurzen Stück Autobahn in Belgien abgehoben. Den hat sie gerade noch fangen können. In Kiel wurde dann ein neuer Tankrucksack und eine neue Matte gekauft.
Und jetzt geht's los.
Tag 1
Vorgenommen hatten wir uns, im Westen in der Eifel anzufangen. Den südllichen Eifelteil mit Pfälzer Wald hatten wir schon bei einigen Touren kennengelernt.
Die Strecke führte uns über Usingen und Bad Schwalbach durchs Wispertal an den Rhein, mit der Niederheimbacher Fähre übersetzen und über Bacharach und Rheinböllen rein in die Eifel.
Auf schönen kleinen Strässchen in Richtung Mosel und auf Bitburg.
Eigentlich wollten wir unser erstes Lager zwischen Bitburg und der luxemburger Grenze aufschlagen. Da fiel mir der Campingplatz Nommerlayen in Luxemburg ein, auf dem war ich schon mal im Vorjahr bei einem Besuch der Battle of Twins. Der ist auch nicht weit hinter der Grenze, also sind wir noch ein Stück an der Grenze zu Luxemburg entlang und nach Nommern gefahren.
Der Platz ist gross und gut eingerichtet, die Waschhäuser eine Wucht. Leider waren wir mitten in den Ferien und so war der Platz so gut wie ausgebucht. Erst wollte man uns einen Platz draussen auf dem Parkplatz anbieten, das wollten wir aber nicht. Kurzerhand wurde ein Stück des Fussballplatzes zum Camping freigegeben und so haben wir dort unser Zelt aufgebaut. War zwar Anfangs ziemlich Remmidemmi und ein paar Mal flog ein Ball an unser Zelt, aber irgendwann wurde es doch ruhig.
Gegessen haben wir in dem Restaurant und das Essen ist zwar nicht ganz billig, aber gut.
Jeder noch so ein bis zwei Bier und dann sind wir ins Zelt. Geschlafen habe ich wie ein Stein, aber Petra brauchte so ein paar Nächte, bis sie sich daran gewöhnt hatte.
Camping in Luxemburg
Bitte nicht stören....
Auch dafür sind Spiegel gut.

Unser Igluzelt, mittlererweile hat
es schon 10 Jahre auf dem Buckel

 
Tag 2
Wie schon gesagt, es war ein heisser Sommer und wir hatten jeden Morgen Sonne zum Frühstück. Das war schon Klasse.
Kaffee kochen, Petra hatte als notorische Frühaufsteherin schon frische Brötchen geholt und nach einem ausgiebigen Frühstück und dem obligatorischen Zeltabbau und Verstauen der Ausrüstung ging es dann weiter. Das dauerte in den ersten Tagen schon eine Weile.

Eigentlich sollte es ja immer an den Grenzen entlang gehen, aber Hin und Wieder haben wir auch mal eine Ausnahme gemacht. ;-) Jedenfalls sind wir von Nommern aus in nördliche Richtung gestartet, über die belgische Grenze und haben an der südlichen Ecke der Formel 1-Strecke von Spa eine Pause eingelegt. Eigentlich wollten wir ein Stück über die Strecke fahren, aber seit nicht allzu langer Zeit gab es eine neugebaute Strasse aussen herum und die Rennstrecke ist leider nicht mehr Teil einer öffentlichen Strasse.
Na gut, dann eben nicht. Weiter gings aussen herum in Richtung St.Vith und hier sind wir dann auf die Autobahn Richtung Aachen. Dabei hob auch wie schon erwähnt der Tankrucksack auf der Bandit ab. Petra wollte, das ich anhalte und zog an, um neben mich zu kommen. Ich freute mich schon und dachte, na endlich geht's mal vorwärts und gab auch Gas. Naja, man kann sich vorstellen, was danach fällig war. ;-)
Weggekommen ist nix, den TR hab ich dann mit einem Reserveriemen angebunden. Das war ein alter Magnetrucksack ohne Steuerkopfriemen, zusätzlich waren auch die Magnete völlig verrutscht und hatten sich teilweise auch gedreht. In Kiel haben wir den dann weggeworfen und einen Neuen gekauft.
Nach dem kleinen Gewitter gings dann weiter. Diese Ecke ist nicht so gut direkt an der Grenze entlang zu befahren, also sind wir an Aachen vorbei und noch ein Stück Autobahn gefahren.
Richtung Mönchengladbach und weiter zwischen Krefeld und der holländischen Grenze auf Kleve, Bocholt und Rheine. Das war schon eine ganz schöne Strecke, bis zum Ende des Tages hatten wir deutlich über 500km auf der Uhr. Das auch nur, weil wir uns für den kommenden Tag gegen Mittag mit einem Freund aus dem G-Forum bei Bremen verabredet hatten.
Von Rheine aus sind wir dann noch bis Haselünne gefahren und haben uns den romantisch klingenden Campingplatz am Haseufer ausgesucht. ;-)
Für die Durchgangscamper hat man dort eine Wiese direkt am See vorgesehen. Die Wiese gleicht zwar eher einer Trainingsstrecke für Motocrosser ;-) , aber wir waren fast alleine auf dem Platz und haben unser Zelt mit einem schönen Blick auf den See aufgestellt. Die Sanitäranlagen waren in Containern untergebracht und ziemlich rustikal, aber es liess sich aushalten.
Zum Abendessen haben wir zum ersten Mal den Gaskocher ausgepackt und eine nachmittags erworbene Dose Linsensuppe erhitzt. War auch ziemlich rustikal. ;-)
Fürs Frühstück hatten wir immer kleine Portionen Wurst und Marmelade dabei, aber grössere Sachen hatten kaum Platz in den übervollen Transportbehältern. Das nächste Mal wissen wir es besser.
Nach dem Essen haben wir uns auf der Decke vor dem Zelt liegend (Klappstühle und -tisch hatten wir damals noch nicht, war aber auch schön) noch jeder 2 Bier gegönnt und den Sternen zugeschaut. Um 22:00 war dann Schicht, wir waren beide ziemlich müde.

An der Rennstrecke von Spa, nix mehr mit Strecke fahren
Camping am Haseufer
Die gute alte G
Hmmm....lecker ;-)
 
Tag 3
Und wieder herrlichen Sonnenschein zum Frühstück, das hat die ganze Tour über angehalten.
Frühstücken, Zelt abbauen und verstauen, die übliche Prozedur eben.
Und weiter gings, nun auch ein paar Stücke Bundesstrassen und kurz vor Bremen etwas Autobahn, denn wir hatten ja eine Verabredung.
Natürlich fehlen hier einige Stücke Grenzbefahrung, das ist schon klar. Die ganze Ecke Weser-Ems Gebiet bis hoch zur Nordsee haben wir ausgelassen. Aber das ist uns auch schon bekanntes Gebiet, wir hatten mit den Kindern schon Urlaub auf dem Bauernhof in der Nähe von Leer gemacht und dabei auch diese Ecke erkundet.

Unseren Treffpunkt bei Bremen haben wir pünktlich erreicht und eine Zigarettenlänge später kam auch unser Freund Frank auf seiner Fazer angerollt.
Er hatte an diesem Tag frei und wir hatten vorher ausgemacht, dass er uns auf eine schöne Tour durchs alte Land führt, was wir auch gemacht haben. An einem Fähranleger an der Weser haben wir prima gespeist und sind auf kleinen Strassen schön durchs alte Land gerollt.
Und oh Wunder, auf ca. 30km hat uns der einzigste Regen auf der ganzen Tour erwischt. Das wollte uns später auch keiner glauben, der Sommer 2003 war ja sehr heiss und trocken.

Unsere Fahrt hat uns dann irgendwann nach Wischhafen geführt, dort haben wir Frank verabschiedet und sind mit der Fähre nach Glückstadt über die Elbe.
Vorher schon stand eine Truppe Harley-Fahrer mit entsprechend herausgeputzten und ausgerüsteten Sozias und wartete ebenfalls auf die Fähre. Wir wurden direkt dahinter eingewiesen und als ich meine G abstellte, kam der Fahrer des Eisenhaufens direkt vor mir um seine Mühle herum und schaute, dass ich auch ja nicht seine Mühle berührte.
Die Tussis standen herum mit Brillen und Ledertops, alles mit Harley bedruckt und versuchten krampfhaft, ziemlich cool auszusehen. Wahrscheinlich waren bei denen auch noch die Slipeinlagen mit Harley-Aufdruck versehen.
Als die Fähre angelegte, sprang ausgerechnet die Harley Nummer 1 ganz vorne nicht an. Nach endlosen Versuchen und Gebrüll des Fährpersonals hat der Typ dann mit hochroter Birne seinen Trümmer von der Fähre geschoben, seine Tussi versuchte recht ungeschickt von hinten noch zu schieben. Ich hab nur laut gelacht, als wir an denen vorbei sind....

Von Glückstadt aus gings dann weiter über kleine Strassen nach Kiel, dort waren wir zum Übernachten bei Kumpel Uwe verabredet.

Das hat auch prima geklappt. Wir haben unsere Matten und Schlafsäcke im Wohnzimmer ausgebreitet, abends noch ein bis zwei Bierchen getrunken und prima geschlafen.

Lastenesel... ;-)
Frank
Ja, es ist tatsächlich nass
Auf der Fähre
 
Tag 4
Heute sollte es ein moppedloser Tag werden. Wir blieben noch eine weitere Nacht bei Uwe, er ist mit seiner Bandit an die Arbeit gefahren und hat uns den Schlüssel für seinen Scirocco dagelassen.

Also haben wir uns Zeit gelassen und sind später mit dem Auto nach Kiel rein. Zuerst einen Polo-Shop aufgesucht und Ersatz für den Tankrucksack und eine andere Isomatte gekauft.
Ich hatte mir im Vorjahr eine grosse und dicke Therm-A-Rest gekauft und war damit hochzufrieden. Leider hat Polo so was nicht im Angebot und einen Outdoorladen wollten wir nicht auch noch suchen, also haben wir was ähnliches von Polo's Hausmarke gekauft. Genau so dick und gross und diese Matte geht zum Zeitpunkt des Schreibens des Berichtes Mitte 2006 schon ins dritte Jahr der Benutzung. Bis jetzt hält sie prima und Petra schläft auch gut drauf.
Danach sind wir am Hafen ein wenig bummeln gegangen, Eis essen, Schiffe gucken und halt etwas relaxen.
Später sind wir dann mit dem Auto zur östlichen Ende des Nordostsee-Kanal bei Holtenau gefahren. Wir sind zwar nicht das erste Mal in Kiel und waren auch schon öfter dort, aber das ist immer wieder interessant.
Genau auf der nördlichen Ecke befindet sich ein Cafe mit einer grossen Terrasse, dort haben wir uns eine Weile niedergelassen und dem Treiben auf der Kieler Förde zugeschaut. Schadeschade, leider gibts keine Bilder von diesem Tag.

Am späten Nachmittag dann gings zurück zu Uwe. Anschliessend sind wir Essen gegangen, haben uns noch viel erzählt (Im Jahr davor waren wir zusammen in den Seealpen) und sind dann müde zu Bett.

 
Tag 5
Das Frühstück auf dem grossen Balkon war auch nett, anschliessend aufrödeln, verabschieden und los.
Unsere heutige Etappe sollte uns nach Rügen führen. Aus Kiel raus bis Lübeck lief es gut, aber das Stück ab Lübeck bis raus aufs Land hatte es in sich. Dort war zu der Zeit die Autobahn noch nicht fertig und der ganze Verkehr aus Lübeck in Richtung Rostock lief über eine nicht allzu gute Bundesstrasse. War ein ganz schöner Stress, bis wir da durch waren.
Danach sind wir an die Küste und gemächlich entlanggefahren, soweit das möglich war. Schöne Gegend, teilweise sehr ländlich. Gegen Nachmittag dann zeigte es sich, dass das wohl etwas zu gemächlich war, wir hatten noch ein ganz schönes Stück bis Rügen.
Also sind wir auf die Bundesstrasse und dann auch noch ein Stück Autobahn gefahren.
Nach Stralsund und über die Brücke auf Rügen und dann waren wir mitten drin. Wir sind vorher beide noch nicht dort gewesen und fanden die Insel bis auf die ziemlich überlaufenen Touriorte sehr schön
Uwe hatte uns einen Tipp für einen Campingplatz gegeben, das hatte ich am Handy aber nicht so richtig verstanden, da die Verbindung schlecht war. Gemeint hatte er Prora, aber wir sind auf der Insel angekommen gleich rechts weg und haben dann auch einen ziemlich einfachen Platz direkt am Wasser gefunden.
Einfach, weil sich dieser Platz seit DDR-Zeiten nicht nennenswert verändert hatte. Nur das Hauptgebäude mit eingebautem Markt und das Waschhaus machten einen etwas neueren Eindruck. Aber nur 2 Tage später lernten wir einen Platz kennen, bei dem die Zeit wirklich stehengeblieben war. ;-)
Schön gelegen war der Platz trotzdem. Allerdings gab es hier eine Stechmückenattacke, wie ich sie noch nicht erlebt hatte. Schon beim Zelt aufbauen musste ich mir die Biester dutzendweise von Armen und Beinen schlagen. Damit hatten wir nicht gerechnet und auch keine Vorsorge getroffen.
Im Zelt hatten wir zum Glück keine, wenn man schon beim Aufbauen aufpasst, kommen die auch gar nicht erst rein.
Später haben wir uns am Markt, wo es auch einen Imbiss gab, was zu Essen geholt und man hat uns auch freundlicherweise 2 Stühle ausgeliehen. Damit haben wir uns vors Zelt gesetzt und gegessen.
Danach haben wir einen schönen Spaziergang über den Platz und am Wasser entlang gemacht. Ist eine sehr schöne und auch natürliche Gegend.
Dann sind wir noch mal zum Imbiss und haben uns jeder 2 Bierchen gegönnt und rechtschaffen müde sind wir dann ins Zelt.
Leider hatten sich rund um unseren Platz mehrere Pärchen in Zelten niedergelassen. Die Leute waren zwar nett, aber zwei von den Herren haben nachts derart geschnarcht, dass wir davon wach wurden.
Auf unsere Frage am nächsten Morgen an die beiden Frauen, wie sie das aushalten könnten, antworteten beide, nur mit Ohrenstopfen. ;-)
Strand in der Nähe von Zudar
 
Tag 6
Und wieder ein herrliches Wetter zum Frühstück mit frischen Brötchen. So könnte auch zuhause jeder Tag anfangen.
Wir hatten uns gestern schon entschlossen, einen ganzen Tag auf Rügen zu verbringen. Hier ist es schön und es gibt auch allerhand zu sehen.
Also sind wir mal ohne Gepäck los und haben die Insel erkundet. Als erstes haben wir im nächsten grösseren Ort erst einen Supermarkt und dann eine Drogerie aufgesucht und wollten uns was gegen die Mücken holen. Aber no way, alles ausverkauft. Nur zwei Anti-Mückenkerzen liessen sich noch auftreiben. Aber die haben mehr gequalmt wie genutzt.
Zuerst in die südöstliche Ecke, dann an der Küste hoch nach Binz. Das ist zwar ein ziemlich überlaufener Touriort, aber ein Spaziergang an der Strandpromenade ist trotzdem schön.
Noch ein bisschen gucken, Eis essen und weiter.
Unsere nicht geplante Erkundung führte uns dann nach Prora, das ist die gigantische von der KdF im dritten Reich geplante und nie fertiggestellte Ferienstadt. Über Kilometer ziehen sich die Betonklötze am Wasser entlang, ist schon eine beeindruckende Anlage.
Petra interessiert sich nicht so dafür, aber ich bin ins Museum, eines der wenigen im Betrieb befindlichen Häuser und habe mir die Geschichte dieser Anlage vom Bau über die Nutzung durch die NVA zu DDR-Zeiten bis heute angeschaut.
Nun erfüllt die Anlage eigentlich keinen Zweck mehr und schon seit Jahren diskutiert man über eine Sanierung oder Nutzung der Gebäude. Aber der Umfang dieser Sanierung bei einer so grossen Anlage ist eine solche Investition, so dass sich bis heute wohl niemand gefunden hat.
Danach sind wir nach Sassnitz gefahren, haben uns einen Moment den Fährbetrieb angeschaut und uns dann an einem Cafe niedergelassen.
Nun wollten wir eigentlich noch zum Cap Arkona und sind auch noch ein Stück dorthin gefahren. Aber Petra war etwas müde und zum Kap muss man ca. 2km laufen, das wollten wir uns in der Hitze dann doch nicht antun.
Also haben wir umgedreht und sind quer über die Insel wieder zurück zu unserem Campingplatz gefahren. Noch ein bisschen relaxen, lesen und mit dem kleinen mitgebrachten Radio Musik hören.
Später dann haben wir uns jeder ein Schnitzel am Imbiss gegönnt und sind nach 2 Bierchen ins Zelt.
Strandpromenade in Binz
Jaja, ich weiss, ich hab meine kurzen Hosen vergessen......
Was für ein Wahnsinn....die ehemalige KDF-Anlage Prora auf Rügen. Mitte 2003 ist nur ein Gebäude in Nutzung. Ich bin müde....
 
Tag 7
Nach dem Frühstück mal wieder abbauen und verstauen, mittlererweile waren wir schon geübt.
Heute stand die Fahrt bis zu der Müritzer Seenplatte auf dem Programm. Auf Rügen beginnt die Deutsche Alleenstrasse, der sind wir auch ein gutes Stück gefolgt.
Eigentlich stand auch ein Besuch Polens auf dem Programm, gehört ja schliesslich auch zu einer Fahrt an den Aussengrenzen. Aber die Tatsache, dass wir bis hier schon gut 1800km gefahren waren, liess uns davon absehen.
Insgesamt war uns zu dem Zeitpunkt auch klar, dass wir das gesamte Pensum nicht im vorgesehenen Zeitraum schaffen würden. Das Fahren bei dieser Hitze ist sehr anstrengend und wir hätten für den Rest der Zeit, die uns zur Verfügung stand, jeden Tag deutlich mehr als 400km fahren müssen. Das wollte ich Petra denn doch nicht antun.
Also haben wir uns darauf verständigt, die geplante Tour in zwei Teile zu spalten und im nächsten Jahr den Rest abzufahren. Das hat in 2004 leider nicht geklappt, aber in 2005 wurde es vollbracht.
Tja...also nix mit Usedom, das hätte ich gerne mal gesehen. Nun ja, es wird schon nicht verschwinden und irgendwann klappt das auch noch mal.
Und so sind wir nach dem Abbiegen von der Alleenstrasse, die uns irgendwann zu langweilig wurde, über kleine Strassen durch das nordöstliche Meck-Pomm gefahren. Ziemlich leer ist es hier, auch in den Ortschaften zum grössten Teil aber auch nix los, oft haben wir noch nicht einmal Menschen gesehen.
Kurz nach der Mittagszeit haben wir dann Waren erreicht. Es war ein Sonntag und es startete in einer Stunde ein Formel1-Rennen. Zu dieser Zeit haben wir uns noch sehr dafür interessiert und auch gleich eine Kneipe mit Fernseher ausfindig gemacht. Dort auch gleich Mittagessen und anschliessend Schumi gucken.
Danach ging es weiter, wir wollten um den Müritz-See herum und weiter in südliche Richtung. Meine geplante Route führte am östlichen Seeufer entlang und den Abzweig haben wir auch gefunden und sind dann etwa 8-10km gefahren. Am Ende eines Ortes, genauer gesagt in Speck, war dann plötzlich Feierabend, Strasse Ende, ab hier nur noch Busse oder Anlieger auf einer wie allseits bekannten DDR-Betonstrasse, bestehend aus zwei Betonspuren.
Auf die Karte geguckt, och nee. Wir hätten das ganze Stück wieder aussen herum fahren müssen, um ans südliche Ende des Müritzsees zu kommen. Kurz umgeschaut, grad keiner in der Nähe? Also Augen zu und durch.
War schon schön, dort entlang zu fahren, nur musste man ziemlich aufpassen, damit man mit den Rädern nicht neben die Spur geriet. Die war an manchen Stellen gut 20cm höher wie der Grünstreifen dazwischen und der Boden links und rechts davon.
Aber es hat gut geklappt, nur einmal, als uns ein Bus entgegenkam, wurde es eng.
Irgendwann sind wir dann in Boek wieder auf eine legale Strasse gekommen und über Bolten und Rechlin auf Mirow gefahren. Es war zwar Sonntag, aber viele Geschäfte hatten offen und so haben wir noch unsere ziemlich erschöpften Vorräte mal wieder etwas aufgefrischt.
Nun war es so langsam Zeit, einen Platz zum Übernachten zu suchen. Von Mirow aus sind wir nach Schwarz und weiter nach Diemitz gefahren, hier haben wir auch einen Platz direkt am See gefunden. Und hier war auch die Zeit wirklich stehengeblieben. ;-)
Trotzdem war's schön, wenn auch die Duschen ziemlich antiquiert wirkten. Wir haben uns noch 2 Pullen Bier geholt, da es zum Mittag schon gutes Essen gab, haben wir uns ein paar Scheiben Brot mit Wurst und Käse belegt und dazu ein Bierchen getrunken. Noch ein bisschen faul herumliegen, kurzer Spaziergang und dann wars auch schon Zeit zum schlafen. Wäre auch wieder ein super Tag gewesen, wenn da nicht noch dieser Anruf gekommen wäre....
Camping bei Diemitz
Lieber nicht hingucken...
Keine Mücken, trotz Seenähe
 
Tag 8
Tja, dieser Anruf. Der hat unseren Urlaub dann auch schlagartig beendet. Petra's Onkel war nach längerer Krankheit am Nachmittag verstorben.
Für manch einen mag das kein Grund sein, aber wir haben gleich beschlossen, nach Hause zu fahren.
Am Dienstag Mittag sollte schon die Beerdigung stattfinden, das würde gerade so hinhauen.
Also schnelles Frühstück, packen und zwischendurch noch die Route bestimmen.
Das Tagesziel sollte Blankenburg sein, dort kenne ich eine motorradfreundliche Unterkunft.
Los gings quer durch die Alte Mark an Stendal und Magdeburg vorbei. Ich habe nur Bundesstrassen ausgewählt, denn es war schon noch ein schönes Stück zu fahren und das ist halt auch nicht so anstrengend. Insgesamt war die Fahrt wenig interessant, wir wollten ja auch einfach nur Meter machen.
An diesem Tag war es knallheiss und in Halberstadt hat Petra dann beinahe abgebaut. Dort gab es jede Menge Baustellen, es war viel Verkehr und wir mussten immer mal wieder in voller Montur und Helm auf dem Kopf in der Sonne stehen. Mitten in der Stadt haben wir dann im Schatten eines grossen Hauses pausiert, es ging bei ihr einfach nicht mehr.
Wir haben auf unseren Touren immer mehrere Radfahrerflaschen mit Wasser dabei, das hat ihr dann schon geholfen. Nach einer Weile Ausruhen im Schatten ging es dann wieder. Noch ein Dextro eingeworfen, das haben wir auch immer dabei und weiter ging es auf die letzten Kilometer nach Blankenburg.
Wir haben schnell eingecheckt, geduscht, was gegessen und sind dann wie die Steine ins Bett gefallen.
 
Tag 9 und Ende
Heute war ja schon Dienstag, also früh raus. In der Unterkunft sind auch immer viele Bauarbeiter zu Gast und die frühstücken auch früh, also war das um 7:00 Uhr kein Problem.
Danach dann noch auf dem schnellsten Wege quer durch den schönen Harz, für den wir diesmal leider keine Augen hatten.
Bei Göttingen sind wir auf die A7 bis Kassel, dann auf die B3 und über Marburg und Giessen nach Hause.
Um 12:30 dort angekommen, schnell etwas frischgemacht, umgezogen und ab zur Beerdigung.

Schade, wenn eine wirklich schöne Tour einen solchen Abschluss nimmt. Aber das war nicht zu ändern.
Insgesamt sind wir knapp 2700km gefahren, das ist ein ordentlicher Schnitt für netto 8 Tage, an denen wir auf den Motorrädern waren. Und es hat alles prima geklappt, keine Pannen.
Insgesamt hat es sich auch gezeigt, dass unsere Ausrüstung verbesserungswürdig ist. Das betrifft das Zelt, aber erst in 2006 wurde ein anderes angeschafft. Auch die Kochausrüstung liess zu wünschen übrig, das wurde in 2005 deutlich verbessert. Aber dazu gibt es auch Infos in unserer Ausrüstungsecke.
Wie schon erwähnt war die Fortsetzung dieser Tour für 2004 geplant. Das wurde zwar erst in 2005 realisiert, aber Teil 2 war ebenfalls sehr schön und wurde ebenfalls nicht wie geplant zu Ende gefahren. Aber davon mehr in dem Reisebericht.


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