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Ein Norwegen-Reisebericht von Uwe Balser / Steinbach

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Norwegen 2006
Prolog  

Norwegen - ein Traumziel vieler Biker und Nicht-Biker, die wir kennen. Dieses Traumziel schwebte schon viele Jahre über allen Urlaubsplanungen.
Ein ganz klein wenig davon gesehen und viel gehört habe ich während meiner LKW-Fahrerzeit in den 80ern, als die E6 noch einige Schotterstücke hatte und Nordkapp-Fahrer echte Abenteurer waren. Aber so richtig damit angefreundet habe ich mich in 1999 bei einem Diaabend eines mir bekannten Motorradfahrers, der schon viele Jahre hinfährt. Diese Ausblicke über Fjorde und Berge, seine Erzählungen über die Einzigartigkeit dieses Landes, das hat mich fasziniert. Und danach war mir klar, da musst Du irgendwann einmal hin.
Zum ersten Mal konkret wurde die Planung, als Frank, mein Freund aus Bremen und ich uns für 2005 vornahmen, dieses Ziel anzugehen. Es sollte eine grosse Rundreise über Polen, das Baltikum, Finnland, Kapp und über Norwegen zurück werden. Leider wurde das nix, hatte bei uns beiden finanzielle Gründe. Bei mir wurde es dafür die Fortsetzung der Deutschlandtour aus 2003 mit meiner Frau und Frank hat einen kleinen Teil davon realisieren können. Immerhin ist er mit einem Freund mit dem Schiff bis Narvik gefahren, das Kapp musste allerdings wegen sehr schlechtem Wetter auf der Nordsee (Die Fahrt dauerte 7 Tage anstelle 4) ausfallen. Da die Zeit zu knapp war, sind die beiden über die Lofoten nach Süden bis Jelsa gefahren und von dort aus mit dem Schiff wieder nach Bremen.
Für dieses Jahr hatten wir uns dann eine gemeinsame Norwegentour vorgenommen. Allerdings nicht die grosse Rundreise, sondern als Gäste mit dem Schiff,einem Schüttgutfrachter bis Jelsa, dann zum Geiranger und wieder so langsam zurück bis Jelsa und retour nach Bremen. Er mit seiner Freundin Doris und ich mit meiner besten aller Mitfahrerinnen Petra, meiner Frau. Alle auf eigenen Motorrädern.
Dann kam es doch wieder anders - Frank und Doris wollen heiraten und haben sich im Juli ein Haus gekauft. Daher musste Norwegen für die beiden ausfallen, denn so etwas geht natürlich vor. Das hat uns schon ein wenig traurig gemacht, denn wir hätten das alles gerne mit den Beiden zusammen erlebt.
Aber Frank hat uns immer ermuntert, alleine zu fahren und das haben wir dann auch gemacht.
Kurz vorher gab es bei uns noch eine Neuanschaffung - ein anderes Motorrad für Petra. Nach den ersten Fahrten im späten Frühjahr war klar, ihre Bandit muss weg. Irgendwie kam sie nicht mehr damit zurecht, es war eine furchtbare Fahrerei. Auf meine Vorschläge hin, doch einmal eine Enduro probezufahren, reagierte sie nur unwillig. Dann klappte das aber doch, sie fuhr eine F650 eines Bekannten, der die verkaufen wollte. Das war schon eine riesige Verbesserung, sie kam auf Anhieb sehr gut damit zurecht. Aber nur 48 PS? Das war dann doch etwas wenig. Sie selbst machte dann den Vorschlag, einmal eine 1150GS probezufahren. Mit meiner kam sie nicht zurecht, die Adventure ist ihr zu hoch. Also fuhr sie eine "normale" GS Probe und wir haben das Ding danach sofort gekauft. War auch eine sehr gute Entscheidung, die Fahrerei in Norwegen war einfach klasse.
Anfang August, als Urlaub und alle Vorbereitungen wie Anschaffung von (besserem) Material fürs Camping wie grösseres Zelt, neue Schlafsäcke und anderes schon längst abgeschlossen war, gab es eine Hiobsbotschaft - es dürfen keine Gäste mehr auf denSchiffen mitfahren. Es gab einen Mitarbeiterwechsel in der Reederei und der Neue stellte sich stur.
Hm.....das war natürlich hart. Norwegen ist schon nicht gerade günstig und die Anfahrt, von Frank's Heimat bei Bremen aus 600km bis Norddänemark plus Fähre nach Norwegen und wieder retour war in unserer finanziellen Planung nicht enthalten. Also haben wir uns einen Plan B überlegt und waren schon in Gedanken bei einer Tour nach Rügen und Usedom, als die frohe Nachricht kam: Es geht doch. Nach vorsichtigem Insistieren bei der Geschäftsleitung der Reederei gab es die Antwort, wieso denn keine Gäste mehr, das haben wir doch schon immer gemacht. Klasse. Kurz danach gab es auch einen Abfahrtstermin, am 11. August legt ein Schiff in Bremen ab mit Ziel Jelsa. Noch besser. Denn die Schiffe fahren auch von Stade, Hamburg, Bremerhaven, Rostock und Dieppe ab, vor allem die beiden Letzteren wären für uns nicht gerade günstig gelegen.
So sind wir wie geplant am 10. August mit unserem Berlingo plus auf dem Anhänger verladenen zwei Kühen nach Bremen gefahren und haben dort das Gespann bei Frank's Eltern für die beiden nächsten Wochen abstellen und auch noch 2 Nächte übernachten dürfen.
Am Freitag sind wir noch los nach Bremen, für Petra eine Regenhose kaufen, die hat sie auch gebraucht. Und es musste noch eine Digiknipse gekauft werden....grummel. Unsere war 3 Wochen vor dem Urlaub kaputt gegangen und wir hatten nun die von unserem Sohn Frank dabei, die liess sich bei uns aber nicht mit 12V laden. Also haben wir im Mediamarkt in Ritterhude noch eine neue Sony Powershot gekauft, die ganz nebenbei auch noch viel bessere Bilder machte als unsere alte Kamera. Und mit der 1GB Speicherkarte vom Sohnemann waren wir auch gut gerüstet.

Nun drehte sich alles nur noch um den Ablegezeitpunkt des Schiffes. Am Freitag Nachmittag nahm Frank uns mit aufs Schiff und wir konnten schon einmal das Schiff und den Kapitän kennenlernen. Sehr netter Mensch, schon beim ersten Eindruck und der hat sich auch auf Dauer bestätigt. Ein beeindruckendes Schiff, auch wenn ich früher schon mit viel grösseren Fähren gefahren bin.
Bis Freitag spätnachmittag hiess es noch, das Schiff läuft Samstag früh um 4:30 aus. Hm. Aber wir wollten ja nach Norwegen, also gut. Aber spätabends wurde das dann wegen Reparaturen auf 10:30 verschoben. Nun gut, da blieb uns wenigstens noch Zeit fürs Frühstück....
Die Stones beim Entladen
Verladen und Anreise, 12. August  

Mit Frank war Treffpunkt 9:15 am Liegeplatz des Schiffes im Bremer Industriehafen vereinbart, Doris fuhr unseren Berlingo mit dem ganzen Gepäck zum Hafen.
Als wir ankamen, waren die letzten Zeremonien noch im Gange und das Schiff legte dann so langsam ab. Um 10:30 an der Schleuse, hiess es und da sind wir dann alle Mann hingefahren. Nur in der Schleuse ist das Verladen der Motorräder möglich, da das Schiff am Liege- und Entladeplatz zu weit weg ist vom Kai. Das Schiff ist ja keine Fähre und die Motorräder müssen mit dem bordeigenen Kran verladen werden. Und die Schleusenzeit beträgt keine halbe Stunde, also muss man sich schon ein wenig sputen, denn jede Minute kostet Geld und wir wollten unseren Gastgebern natürlich keine Unannehmlichkeiten bereiten.

Also schon mal alles Gepäck und die Motorräder bereitstellen, damit das bei Ankunft des Schiffes in der Schleuse sofort losgehen konnte.Frank hatte das Verladen der Motorrädern mit Seilen letztes Jahr schon mal mitgemacht und war dementsprechend schon drin, aber uns war das gar nicht geheuer und ich hab die ganze Zeit wohl ziemlich sparsam geguckt. ;-) Frank beruhigte ständig, das sei alles kein Problem. Ich hatte mich vorher bei der örtlichen BMW-Vertretung schon mal schlau gemacht, wo man eine Kuh am besten anseilt bei Kranverladung und das hätte auch gut hingehauen, aber die Jungs vom Schiff hatten keine Seile, sondern flache und breite Zurrschlaufen, die sich so gar nicht an den Zurrpunkten anschlagen liessen.
Daher hängt meine Kuh auch ziemlich schief, denn da haben wir noch versucht, die Gurte an der oberen Gabelbrücke wie von BMW empfohlen anzuschlagen. Hinten war es mit der Empfehlung an den Rastenaufnahmen gar nicht möglich, daher haben wir den hinteren Gurt durch die Räder gezogen.
Bei Petra's Kuh waren wir schon schlauer, den vordere Gurt haben wir nach Idee von Frank unter dem Telelever durchgezogen und damit hing sie fast gerade. Uff, was waren wir erleichtert, als die Moppeds gut an Bord angekommen waren.
Während der Verladeaktion haben Doris und Petra schon unter fleissiger Mithilfe der Besatzung unser Gepäck an Bord gebracht. Noch kurze Verabschiedung, die Strickleiter an Bord erklimmen und schon legte das Schiff ab.

Nein, keine Auswanderung ;-)
Verzurren der Kuh1
Schrägflug
Schon besser....
Ganz viel Abschiedswinken war noch angesagt, die beiden hätten nun nichts lieber gemacht als mitzufahren.....
Nun gings etwa 3 Stunden die Weser entlang bis Bremerhaven mit Lotsen an Bord. Da war genug Zeit, die Motorräder ordentlich abzustellen und zu verzurren sowie Gepäck in die Kabine zu bringen. Nachdem das alles erledigt war, musste ich erst einmal Duschen und Shirt wechseln. Und nun war es Zeit, sich mit den Leuten und dem Schiff bekanntzumachen.
Wie schon geschrieben, alles sehr nette Leute, alles Philippinos vom jüngsten Helfer bis zum Kapitän und alle waren ausgesprochen hilfsbereit und freundlich. Wir waren sehr überrascht, auch von der Sauberkeit und der Einrichtung des Schiffes. Davon kann sich manche Pension, die ich so kennengelernt habe, eine Scheibe von abschneiden.
Zunächst zeigte uns der 3. Offizier das ganze Schiff und auch den Maschinenraum. Auch hier alles tiptop sauber. Danach dann die Kombüse oder Galley, wie sie international genannt wird. Sofort stand Mittagessen für uns bereit, dazu Getränke und was man so braucht. Alles zwar etwas ungewohnt für unseren europäischen Gaumen, aber sehr lecker.
Bremerhaven
Der wichtigste Mann an Bord ;-)
Speisesaal, rechts daneben Computerraum, Videozimmer1 und der 3. Offizier
Musikzimmer

Neben der Galley gab es noch zwei Videozimmer, eines für Raucher und hunderte von Filmen. Ein Computerraum war auch vorhanden, leider ohne Internet, aber man kann ja nicht alles haben. ;-)
Gegenüber noch ein Musikzimmer mit etlichen Instrumenten, Verstärkern und Schlagzeug. Auf der Hinfahrt hat es nicht geklappt, aber auf der Heimfahrt haben wir eine Session hinbekommen.

Der Kapitän selbst zeigte uns dann noch die Küche und den Kühlschrank und meinte, wenn wir Hunger hätten, hier wäre alles drin. Klasse.
Den Nachmittag über verbrachte ich dann immer wieder an Deck, schauen und staunen. Petra hatte es sich in der Kabine gemütlich gemacht, die mit Fernseh und Satellitenreceiver ausgestattet war, damit konnte während der ganzen Überfahrt alle möglichen deutschen Programme empfangen werden.
Auch die Brücke konnten wir uns ansehen und hinaufgehen, wann immer wir wollten. Die Brückenwache war auch sehr freundlich und servierte sofort Kaffee und erklärte alles mögliche an Geräten und Instrumenten, von denen so ein modernes Schiff (Baujahr 2001) jede Menge an Bord hat.
Kapitän Yannis
 

So wurde es Abend, zwischendurch hatten wir Bremerhaven passiert und waren schon eine Weile auf der Nordsee unterwegs. Im Licht der langsam untergehenden Sonne sah ich Steuerbords dann noch einen roten Felsen, das musste Helgoland sein. Auf Anfrage bestätigte der Steuermaat das auch. Klasse Ausblick, so hatte ich das noch nicht gesehen.

Das Abendessen war wieder klasse. Auch wenn die Flippos sehr gerne Fisch essen, was es ständig gab und uns nicht so liegt, gab es für uns immer mal Hähnchen oder ein Stew.
Auf unsere Frage, ob wir hier auch Bier kaufen könnten, nahm mich der Kapitän sofort mit zum Zollbunker. Dort konnte ich 2 Stangen Zigaretten und einen Karton Bier kaufen, einzelne Dosen gab es leider nicht. Der Karton hat uns noch schwer beschäftigt, aber davon später mehr. Jedenfalls waren wir damit schon mal gut gerüstet für Norwegen, denn Zigaretten (knapp 10 Euro das Päckchen!) und Bier (Ausländisches 3-4 Euro pro Flasche) waren dort sehr teuer.

Helgoland
Gut verzurrt
In der Nacht habe ich ausgesprochen gut geschlafen, Petra hingegen nicht so. Sie war noch nie auf einem Schiff unterwegs gewesen und das war schon was anderes, wenn sich unter einem alles bewegt. Die See war zwar sehr ruhig, aber das ständige sanfte Wiegen hat ihr ziemlich zu schaffen gemacht. Jedenfalls ist sie in der Nacht vom oberen Stockbett auf die Couch ausgewandert, da ging es ihr etwas besser. Aber trotzdem hat sie ordentlich Platz im Magen geschaffen... ;-)
Der Sonntag startete wieder mit bestem Wetter, ganz entgegen der Vorhersage. Denn noch am Abend hiess es starke Gewitter und Sturm in unserer Richtung, aber das hatte sich bei unserer Durchfahrt schon verzogen.
Wenig los, kein Seegang
Gegen Mittag tauchten dann die ersten Ausblicke aufs norwegische Festland auf und wir haben die Sonne an Deck genossen.
Später etwas nördlich von Stavanger ging der Lotse an Bord, der das Schiff durch den ganzen Fjord bis zum Beladen und zurück zu begleiten hatte.
Die Fahrt durch den Fjord bis zur Ladestelle, die immerhin fast 4 Stunden dauerte, war ein Hochgenuss und eine super Einstimmung auf das Land. So gegen 17:00 erreichten wir dann den Kai der Verladestelle und nach etwa einer halben Stunde startete dann schon die Beladung. Für uns hiess das nun Warten, denn die Motorräder konnten wegen dem kurzen Kai nur beim Beladen des Bunkers Nummer 7 entladen werden, weil der Kran sonst nicht bis zum Kai reichte.
Land in Sicht!
 
Der Kapitän bot uns gleich an, die Nacht noch auf dem Schiff zu verbringen, was wir auch gerne angenommen haben. So gegen 23:00 war es dann soweit, Bunker 7 wurde beladen und ich hab mich dann mit den Entladen der Motorräder beschäftigt. Nun waren die damit beschäftigten Mannschaften und meinereiner schon "geübt" und haben das in nicht ganz 20 Minuten erledigt. Danach noch gemütlich eine Dose Bier gezischt und ab ins Bett.
 
Beladung
   

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